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marginal – regional – zentral – neuronal

Entwicklung großer Dienstleistungsorganisationen

Von Dr.-Ing. Walter Tritt · Aus der Praxis des Service-Managements

Organisationen entstehen, wachsen und veraendern ihre Form. Von starren, zentralen, hierarchischen Strukturen veraendern sich Organisationen zu einer Gruppierung autarker Segmente und Dienstleister, die sich gegenseitig unterstuetzen.

Start und Wachstum

Verkauf von Hardware war der Beginn. Produkte, Systeme und Anlagen wurden an Kunden in Regionen verkauft. Stoerungen traten auf, Service und weitere Dienstleistungen wurden erforderlich. Regionale Vertriebs- und Serviceorganisationen entstanden.

Regionen erhielten zentrale Dachorganisationen. Reiner Entstoerungsservice wandelt sich zu umfassenden Dienstleistungen: Erweitern, Ergaenzen, Betreiben, Finanzieren, Leasen, Ausbilden, Beraten gehoeren dazu.

Die vier Stufen der Entwicklung

marginal
Einzelne Anbieter
regional
Lokale Organisationen
zentral
Hierarchien
neuronal
Selbststeuernd

Zentrale Organisation – und ihre Schwaechen

Unter verschiedenen Gesichtspunkten wurden regionale Einheiten unter mehr oder weniger straffer Fuehrung einer Zentrale gestellt. Argumente sind u.a.: eine gemeinsame strategische Ausrichtung, Zusammenfassung von Mehrfachaetigkeiten an einer Stelle, dadurch Reduzierung von Mehrfachaufwand. Beispiele sind Rechenzentren, Staebe, Einkaufsorganisation. Kosten werden reduziert.

In Maerkten mit überschaubaren konstanten Kunden und Marktsegmenten greifen die Vorteile zentraler Organisation.

In sich rasch wandelnden, zusammenbrechenden und neu aufbauenden Maerkten zeigen zentrale Organisationen jedoch Schwaechen. Starre regionale Strukturen behindern das Bedienen überregional und global taetiger Kunden. Sie behindern das Erfuellen sich wandelnder Kundenanforderungen.

Die Kompetenz und der Überblick einzelner wird reduziert. Der Einzelne wird zur Nummer im System. Mechanistische Erscheinungen treten auf. Menschlich flexible, spontan lebendige Arbeitsweisen haben keinen Naehrboden. Sie werden durch einheitliche Regeln, Verfahren, Richtlinien und Anweisungen unterdrueckt.

Generell wird Vielfalt, die Innovation und Fortschritt erzeugt, durch Uniformes ersetzt. Raschen Marktaenderungen koennen nur schlecht und mit sehr großem Aufwand gefolgt werden.

Die Komplexitaet steigt und fuehrt zu verringerter Handlungsfaehigkeit bei neuen Situationen. Stete neue Situationen sind aber in sich rasch aendernden Maerkten eher die Regel als die Ausnahme.

Die Idee einer neuronalen Organisation

Wissen ist an vielen Stellen vorhanden. Es gibt kein gemeinsames Machtzentrum. Einzelne Segmente bedienen, bearbeiten und erschließen eigene Maerkte. Marktsegmente sind sowohl innerhalb als auch ausserhalb des neuronalen Verbundes. Kunden werden individuell und fokussiert bedient. Benötigte Leistungen werden sofort, individuell und flexibel auf die jeweiligen Kundenbeduerfnisse ausgerichtet.

Die personelle Staerke einzelner Segmente reicht von Bereichen mit weit über 100 Mitarbeitern, über kleinere Gruppen und Teams, bis zu einzelnen Individuen. Einzelne Segmente sind überschaubar und durch jedes Mitglied direkt zu beeinflussen. Individuen gestalten und verantworten ihre Taetigkeit in Abstimmung mit anderen Kollegen des Segments und sind ein wichtiges Element.

Insbesondere kleine Teams und einzelne Spezialisten fungieren als potentielle Keimzellen für innovative, wachsende, neue und zukuenftig groessere, erfolgreiche Segmente. Die Auswahl wird dabei durch den Markt getroffen.

Einzelne Segmente bieten einzigartige, individuelle Dienstleistungen. Uniforme Vorgehensweisen wie sie bei zentraler Organisation auftreten, existieren nicht. In neuronal arbeitenden Organisationen muss jedes einzelne Segment begeisternde Leistungen bieten.

Wenige, einfache Regeln

Wenige, einfache, anerkannte und akzeptable Regeln sind vorhanden. Beispielsweise hat jedes Segment mit einem beiderseits frei waehlbaren Kontrollsegment zusammenzuarbeiten. Es muessen im Verbund jeweils mehrere autarke Kontrollsegmente vorhanden sein. Sie kontrollieren die mit ihnen zusammenarbeitenden Segmente und berichten deren Ergebnisse dem Eigentuemer.

Eigentuemer haben damit eine indirekte, aber hochwirksame, steuernde Einflussmöglichkeit.

Überleben neuronaler Organisationen

Es stellt sich die Frage, ob solche neuronalen Organisationsverbuende eine Existenzgrundlage haben. Sie muessen effizienter sein als einzelne autarke Firmen.

Existenzberechtigung existiert, wenn ein Verbund eine bessere Plattform für Personal und Kommunikation bietet, als es ausserhalb möglich ist.

Die combinatorische Macht

Neuronale Verbuende ermöglichen prinzipiell verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zur Zusammenarbeit beliebiger Segmente. Die Kombinationsmöglichkeiten sind insgesamt umfangreich:

Bei zwei Segmenten existieren zwei Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Bei 3 Segmenten ergeben sich bereits 8 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten. Bei 4 Segmenten 64 usw. Das derzeit sichtbare Universum beträgt ca. 10 Milliarden Lichtjahre. Geht man davon aus, dass durchschnittlich über den gesamten Raum ein Atom pro m³ vorhanden ist, so existieren bei 64 Segmenten mehr Kombinationsmöglichkeiten als Atome im bekannten Universum vorhanden sind.

Schlussbemerkung

Ein Blick in Entwicklungen der Natur zeigt, dass sich hier ebenfalls neuronale Strukturen bilden. Die zeitlichen Dimensionen in der Natur sind groesser als in von Menschen geschaffenen Maerkten und Organisationen.

Die hier dargestellte Möglichkeit einer neuronalen Organisationsform ist zukunftsweisend. Organisationen entwickeln sich in diese Richtung.

GoodPoints setzt dieses neuronale Prinzip um:

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Original: "marginal regional zentral neuronal - Entwicklung großer Dienstleistungsorganisationen" von Dr.-Ing. Walter Tritt. Weitere Publikationen unter www.scwt.de.