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Schule mit Punkten
Ein Kneipengespräch mit einem Oberstudienrat
Von Dr.-Ing. Walter Tritt · Erfinder der Auftragsbörse · KVD Service-Management-Preis 1992
Ein echter Dialog, abends in einer Kneipe. Ein Lehrer erzählt von seinem Schulalltag - von Frust, Faulheit und einem System das sich selbst blockiert. Und dann kommt die Frage: "Hast du schon mal an Punkte gedacht?"
Die Ausgangslage
Der Lehrer: Alles was die in unserem Land in der Schule machen, ist sparen, sparen, sparen. Wir sollen wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden!
Der Lehrer: Da haben die z.B. aktuell einen Lehrer, den bieten sie an. Viele der Schulen suchen Lehrer genau in der Fachrichtung, wie sie der Kollege bietet. Nur, wenn dann gefragt wird, wer denn Bedarf hat, werden alle ruhig, jeder schaut nach unten und keiner meldet sich.
Ich: Warum?
Der Lehrer: Die Schule, die sich meldet, bekommt ihn zugeteilt, und wird ihn dann nicht mehr los. Der Kollege steht im Ruf, schlecht zu sein, und den bekommt man dann als Schule nie mehr los.
Das Problem: Keine Transparenz über Leistung
Der Lehrer: Da gibt es doch Kollegen, die machen gar nichts. Die geben den Kindern z.B. Unterlagen zum Lesen, ohne weitere Erklärung. Die Kinder verstehen dann nichts. Aber dies interessiert die Kollegen dann nicht weiter. Wenn ich das und Anderes sehe, möchte ich ab und zu den ganzen Mist hinwerfen.
Ich: Hm, ich habe ein System, welches zur Leistungssteigerung der Schule führen würde. Was für alle gut wäre, für Schüler, für Lehrer, für die Eltern, für die Gesellschaft.
Der Lehrer: Die arbeiten hier nur mit dem Rotstift.
Ich: Willst du nicht einmal das System von mir hören, wie man die Schule nachhaltig verbessern könnte? Dauert nur zwei Minuten.
Die Idee: Punkte für Schülererfolg
Der Lehrer: Zwei Minuten, dann erzähl mal.
Ich: In dem System erhält jeder Schüler einen individuellen Punktewert, je nach Schwierigkeitsgrad für die Schule. Ein Lehrer erhält dann den entsprechenden Punktewert auf ein persönliches Punktekonto, wenn der Schüler in seinem Fach das Klassenziel erreicht hat. So wird jeder Schüler mit seinem individuellen Erfolg wichtig für den Lehrer.
Der Lehrer: Dann schreibt der Lehrer Gefälligkeitsnoten.
Ich: Selbstverständlich kann man Qualitätskontrollen einführen. Klassenarbeiten können anonymisiert anderen Lehrern zur Prüfung angeboten werden. Für diese Prüfung können sich die Lehrer dann Zusatzpunkte erarbeiten.
"Das geht nur mit Geld"
Der Lehrer: Das System, das Du vorschlägst, klappt nur, wenn die Punkte mit Geld verknüpft werden.
Ich: Ich denke, dies ist falsch. Vielleicht später einmal, und dann auch nur in einer indirekten Form. Keinesfalls zu Beginn. Inzentive-Systeme sind Misstrauenserklärungen den Mitarbeitern gegenüber. Man unterstellt ihnen, dass diese nicht von sich aus motiviert und gut arbeiten wollen.
Der Lehrer: Dann macht keiner was. Die Faulen sind weiter faul.
Ich: Nun ja, aber dann wird deren Faulheit klar und transparent. Und für die, die sich erfolgreich um ihre Schüler kümmern, wird dies auch transparent.
Die Jagd auf Punkte
Ich: Auf einmal führt jeder Schüler, den man durchbringt, zur Erhöhung des eigenen Punktekontos des Lehrers. Der Spieltrieb, Jagdtrieb, die Jagd auf Punkte wird hier geweckt. Die Arbeit macht jedem Lehrer auch wieder mehr Spaß, man zielt auf Erfolge und kann sie quantifiziert sehen.
Ich: Lehrer sind dann kein verwaltetes Glied in einem Moloch von Behörde, nein, sie können sich aktiv mit ihrem Engagement Punkte verdienen. Und, um keinen bloßzustellen, bräuchte man die Punkte noch nicht einmal offen zu legen.
Klassenlehrer und Schulleiter
Ich: Der Klassenlehrer bekommt natürlich auch Punkte für alle Kinder seiner Klasse, die das Klassenziel erreichen, nicht nur für die Kinder in seinem Fach. Und damit hat er ein Interesse, dass seine Lehrerkollegen ihre Schüler besser unterrichten. Und der Schulleiter ebenso, der am Erfolg aller Schüler der Schule partizipiert.
Ich: Schulleiter, Klassenlehrer, Lehrer haben dann das gleiche Ziel: Kinder erfolgreich zu unterrichten. Der Erfolg wird transparent und dokumentiert. Von Kollegen, die noch besseren Erfolg haben, kann man dann abschauen und lernen.
Das Ergebnis
Der Lehrer: Vielleicht funktioniert das System ja.
Ich: Klar. Lehrer würden verstärkt Interesse an mehr Schülern statt an weniger haben. Denn mehr Schüler bedeuten mehr potentielle Punkte. Jeder engagierte Lehrer bekommt dann von Kollegen Zustimmung und Unterstützung anstatt Misstrauen, dass er ein Streber sei.
Ich: Wir sollten generell aufpassen. Wenn wir so etwas Neues hören, sind wir alle meist schnell dabei zu überlegen, warum es denn nicht geht. Nein, wir müssen überlegen, warum es geht und was wir machen müssen, dass es geht. Sonst kommen wir nie weiter.
Basierend auf dem Artikel "Dialog mit einem Oberstudienrat - abends in der Kneipe" von Dr.-Ing. Walter Tritt. Das Konzept wurde im Zuge der Promotion entwickelt. Weitere Publikationen unter www.scwt.de.