Von Dr.-Ing. Walter Tritt · Eine wahre Geschichte aus der Praxis der Auftragsbörse - und die Lehre, warum persönliche Punkte privat sein müssen.
Ein Punktesystem hat enorme Kraft. Ob sie eine Mannschaft trägt oder sie sprengt, entscheidet nicht das System - sondern der Treibstoff. Angst oder Anerkennung. Das ist keine Theorie. Beides ist passiert.
Vor Jahren lernte ich einen Manager kennen. Er leitete den Instandhaltungsbereich eines Konzerns, war tatkräftig, kein Mann großer Worte. Er hörte sich die Idee der Auftragsbörse an - Aufgaben tragen Punkte, die Mitarbeiter wählen selbst - und sein Urteil kam schon beim ersten Treffen:
„Toll. Damit finden wir die Pflaumen und können sie feuern.“
Ich habe das sofort abgewiesen, später noch mehrfach. Punkte, die zur Drohung werden, sind kein Werkzeug mehr, sondern eine Waffe. Der Konzern führte das System trotzdem ein - ohne mich. Und koppelte es genau so, wie der Manager es angekündigt hatte: Wer die wenigsten Punkte hat, muss gehen.
Was dann passierte, zeigt die rohe Kraft des Systems - und seine Gefahr.
Vorher arbeitete die Mannschaft von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags. Nachher war die Arbeit um zehn Uhr erledigt. Dieselbe Leistung in der Hälfte der Zeit - rund fünfzig Prozent Zeitgewinn, wie ihn kein Bonussystem der Welt hinbekommen hätte. Auf dem Papier ein Traum.
Aber der Preis: Jeder riss jeden Auftrag an sich, denn jeder Auftrag war Existenzsicherung. Wer einen nicht bekam, galt als nächster Kandidat. Kollegen zeigten einander an. Aus einer Mannschaft wurde eine Ansammlung von Einzelkämpfern im Belagerungszustand. Hass übernahm das Kommando. Das Projekt wurde beendet. Der Manager verlor später selbst seine Stelle.
Vergleichen Sie das mit dem Pilotprojekt, aus dem die Idee stammt: Produktivität plus 20 Prozent - getragen nicht von Angst, sondern von Anerkennung. Arbeit wurde freiwillig übernommen, die Punkte machten sichtbar, wer trägt. Der Berater wurde gut bezahlt, das Unternehmen machte trotzdem einen guten Gewinn, die Mitarbeiter behielten ihre Würde. Drei Gewinner, null Verlierer.
Der Unterschied liegt nicht in der Größe der Wirkung - sondern in ihrer Richtung. Angst liefert Höchstleistung, bis der Motor brennt. Anerkennung liefert Leistung, die bleibt.
Die Lehre ist unspektakulär und streng: Ein Punktesystem ist wie Dynamit. Es hat enorme Kraft - und es braucht eine Zündsicherung. Die Sicherung heißt: Punkte dürfen niemals zur Bedrohung werden können. Nicht als Versprechen, sondern als technische Tatsache.
Genau deshalb sind bei GoodPoints persönliche Punktestände privat. Nicht einmal die Leitung kann sie einsehen - nicht aus Höflichkeit, sondern weil das System es technisch unmöglich macht. Sichtbar sind nur anonymisierte Team-Ergebnisse. Wer Punkte als Druckmittel benutzen will, findet keinen Hebel vor.
Die ehrliche Wahrheit für Führungskräfte: Wer mit einem Punktesystem Mitarbeiter messen will, um sie zu sortieren, bekommt genau das - und verliert dabei die Mannschaft. Wer Leistung sichtbar machen will, damit sie Anerkennung findet, bekommt eine stärkere Mannschaft. Das System unterscheidet das nicht von allein. Deshalb muss die Sicherung eingebaut sein, bevor jemand versucht, sie zu entfernen.
Wer fünfzig Prozent auf einen Schlag will, kann Dynamit nehmen. Wer in zehn Jahren noch eine Mannschaft haben will, nimmt Anerkennung.
Die Kraft des Motors ist bewiesen - in beide Richtungen. Die Aufgabe ist nicht, den Motor zu bauen. Die Aufgabe ist, ihn mit dem richtigen Treibstoff zu betreiben und die Sicherung nie entfernen zu lassen. Genau dafür steht GoodPoints.
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Jetzt ausprobierenKonzept und Ideen: Dr.-Ing. Walter Tritt (KVD Service-Management-Preis 1992, entwickelt im Zuge der Promotion) · Text redaktionell aufbereitet mit KI-Unterstützung · Umgesetzt als Software: goodpoints.de · Weitere Publikationen unter www.scwt.de
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